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1. Techniker WTAA - Wing Tsung Art Association - 07/19

Warum ich WT angefangen hab…??? July 92

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Der Zusatz „und 2015 weitergemacht habe“ sollte den Kreis schließen. Dazwischen liegen nunmehr über 27 Jahre. Im Nachfolgenden möchte ich herleiten, warum ich damals in Burladingen WT (EWTO) angefangen habe. Gleichermaßen erklärt meine Erziehung und mein Umfeld in den darauffolgenden Jahren einen Reifeprozess, welcher bis zum heutigen Tag anhält, und der sich wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen hat. Deshalb möchte ich hier in der Einleitung schon den besagten Kreis ansprechen. Ein Lebenskreis, der mich auf eine persönliche Entwicklung geschickt hat, und sich weiter intensivieren wird.

 

In der Ausarbeitung von diesem Essay hat sich ein zweiter, wichtiger Handlungsstrang herauskristallisiert, auf den ich dann im Verlauf der Ausführung genauer eingehen werde

 

 

Kapitel 1 – der Auslöser 1992                                                        

Kapitel 2 – der Anfang und Erfahrungen bis 1999 sammeln            

Kapitel 3 – Ablenkung und zweiter Anlauf 2004                    

Kapitel 4 – Ankommen und dritter Anlauf 2015                               

Kapitel 5 – Fazit und Ausblick

 
Kapitel 1 – der Auslöser

1992 war ich 17 Jahre alt und ich hatte bis dato ein klasse Kindheit erfahren dürfen. Uns, ich habe noch zwei jüngere Brüder, hat es an nichts gefehlt. Durch eine Marktlücke, die mein Vater in den 70er Jahre im textilen Umfeld aufgebaut hat, waren die 80er Jahre durch Luxus bzw. keinen Geldsorgen geprägt. Es war, als ob ich in einem Konkon eingebettet gelebt hatte, die Schule ging so nebenher mit und meine Interessen galten dem Sport sowie Freunden. Durch meine Mutter habe ich die Höflichkeit und empathische, teilweise auch sensible Wesenszüge mitbekommen. Auf meine Persönlichkeit und wesentliche Charakterzüge gehe ich deshalb ein, weil diese meine Basis für die asiatische Kunst nicht nur im Geiste sowie im Herzen widerspiegelt und diese mich seither mit geprägt haben. Dazu gehört z.B. auch die Eigenschaft, Streit zu vermeiden und eher durch Gespräche teilweise auch mit zu viel Gefühl zu lösen. Leider wurde bei diesem Aspekt auch ein Grundstein gelegt, der pazifistische Merkmale mit sich führt. Dies sollte sich später im Laufe der Anwendungen wieder zeigen. Zusätzlich konnte ich durch meine Erziehung fernöstliche Philosophien wie Yoga aber auch autogenes Training kennenlernen.

 

In den Jugendjahren war wie schon angesprochen die Welt noch in Ordnung. Mit siebzehn dann die erste Freundin, Disko, Führerscheinprüfung. Es ging auf das Abitur zu. Dann, irgendwann mal in den Monaten dazwischen, ein Diskobesuch in Ebingen, zusammen mit Freunden. Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in meinem Leben keine körperlichen Auseinandersetzungen, keine öffentlichen Streitszenen, welche nicht verbal gelöst werden konnten. Dazu gab es einfach keine Gelegenheiten. Und ich bin diesen aggressiven Streitsituation bewusst auch aus dem Weg gegangen.

Es ging alles sehr schnell. Auf der Tanzfläche hatte ich die Augen zu und ich muss wohl jemanden gestreift haben. Danach konnte ich mich nur erinnern, dass ich auf dem Boden mit einer blutigen Nase gelegen habe. Meine Freunde waren sofort zur Stelle, allerdings hatte der andere, den ich nicht mal gesehen habe, schon das Weite mit seinen Freunden gesucht. Am nächsten Tag hab ich mir mein blutiges Hemd angeschaut und mir geschworen, dass sich so etwas nicht wiederholen darf und wenn, dann sollte ich wenigstens in der Lage sein, dementsprechend mich zu verteidigen oder dann auch einen geeigneten Schlag auszuführen.

Die Entscheidung war klar, ich musste Selbstverteidigung erlernen, damals, 1992.

 

Den Moment, an dem ich meinen – bis heute – Sihing kennenlernen durfte, habe ich bis jetzt nicht vergessen. Durch eine reinen Zufall (gibt es tatsächlich Zufälle??) bin ich in Burladingen an der Hauptstraße über der Videothek im Fitnesscenter an der Rezeption zunächst Mal auf Sulaiman gestoßen. Anfänglich dachte ich noch, dass ist der Trainer, der WT in diesem Glaskasten schult. Es hat sich schnell herausgestellt, dass dies nicht so war. Es war ein großartiger Moment, mit siegessicherem Lächeln hat mich Sihing Ataman begrüßt. Ein fester Handschlag, ob ich mitmachen möchte? Und so war ich ab dem 1.06.1992 offiziell Schüler bei der europäischen Wing Tsung Dachorganisation bei meinem Sihing. Bis heute sehe diese Begegnung, damals an der Theke in dem Fitnesscenter als schicksalhaft an!

 

Kapitel 2 – Der Anfang & Erfahrungen sammeln

Die Schülergrade 1-4 habe ich in sehr guter Erinnerung, konnte ich doch gelerntes zusammen mit meinem Bruder zu Hause weiter üben. Das Training war hart, es herrschte strenge Atmosphäre, mit dem Ziel, den Respekt für die Kampfkunstschulung aber auch gegenüber höher gestellten jederzeit zu wahren und zu leben. Damit hatte ich überhaupt kein Problem.

 

Wir Schüler durften im Training im Winter uns auf dem Dachboden warm laufen. Mittlerweile war die Schule meines Sihings eine Etage noch oben gewandert. Auf dem Holzlatten haben wir Bodenkampf trainiert und manchmal, am Ende einer Trainingseinheit wurde Freikampf geprobt, teilweise mit Schoner und Schutz, teilweise ohne, es war hart aber immer darauf abgerichtet, sich auf den Ernstfall realistisch vorzubereiten. Ich habe in Erinnerung, einen in zwei Hälften gebrochene n Übungsschläger, der auf meinem Rücken kaputt gegangen ist, bei mir zu Hause als Relikt aufbewahrt zu haben.

 

Bei Sifu Tassos habe ich den 5. Schülergrad abgenommen bekommen. Im Lehrgang hat er an seinem Schüler eine Übung allen vorgeführt. Der Schüler verlor dabei seinen Zahn. Tassos hat sich zusätzlich darüber aufgeregt und ihm gleich noch eine weitere mitgegeben, ob er immer noch Schüler bei Tassos ist?

 

In dieser Zeit ging es auf weitere Lehrgänge nach Winterlingen oder auch Mengen mit Sifu Boztepe und Ataseven, beide habe ich in guter Erinnerung.

 

Ein weiteres Highlight war der Lehrgang in Livorno, Italien:

 

Es war heiß und ich lernte viel in den Lehrgängen, die sich über die ganze Woche verteilt haben. Abends durfte ich am Strand sogar mit Sifu Avci Bodenkampf trainieren. Auf diesem Lehrgang war natürlich auch mein Sihing dabei. Er stellte mich jedem vor, ich hab sogar Großmeister Dai- Sifu Kernspecht und Sigung Leung Ting die Hand geben dürfen. Zum ersten Mal habe ich etwas von einer Gesundheitsform, welche Leung Ting vorgelebt habt, mitbekommen.

 

Zu meinem Sihing habe ich in den ganzen Jahren bis dahin ein gutes, freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, welches auf Respekt und Ehrlichkeit beruhte und auf einem tiefen Vertrauensfundament ruhte.

 

Bis zum Jahr 1998 hatte ich den 8 Schülergrad erreicht. Interessanterweise habe ich in den ganzen Jahren keine einzige Streßsituation außerhalb des Trainings erfahren. Tief in mir drinnen wusste ich, dass ich mich vor so einer Situation eher fernhalten wollte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich noch nicht soweit war.

 

Auf dieses Gefühl, noch nicht angekommen zu sein und innerlich nicht so stabil und selbstbewusst einen Kampf einzugehen, auf diesen Umstand möchte ich später noch genauer eingehen.

 

Desweiteren möchte ich hier auf ein Ereignis eingehen, welches mich bis zum heutigen Tag beschämt. In dieser Zeit gab es viele Feste und Feiern und es ergab sich, dass ich meinen Sihing nach ein paar Bierchen auf dem Nachhausweg getroffen habe. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir ChiSao angewandt hatten, ohne Erfolg. Für dieses Ereignis schäme ich mich bis heute noch da ich mir sicher bin, dass mein Shing, als ein sehr guter Menschenkenner, dies sofort bemerkt hatte.

 

Kapitel 3 – Ablenkung und zweiter Anlauf 2004

Mittlerweile war privat der erste Konkurs und der Verkauf vom Haus vollzogen. Es wurden Geschäftspläne zusammengestellt, welche vorsahen, Schulden auf die Kinder zu übertragen. In dieser Zeit habe ich mein Studium in Reutlingen (Textilmanagment) angefangen. Ich bin einer Studentenverbindung beigetreten, zusammen mit meinem Vater war ich mehr auf Geschäftsreise, unter anderem auch viel in der Türkei, als im Studium.

 

Selbst in meinem Auslandsstudium in Süd Korea habe bewusst WT gedacht und gelebt. Allerdings kam ich in diesen Jahren fast nicht mehr Training bzw. es wurde weniger, es war mit dem Studium auch mit Geschäft meines Vaters einfach mit mehr so im Vordergrund, die asiatische Kampfkunst weiter zu erlernen.

 

Die Schule und auch der Hauptsitz von meinem Sihing war inzwischen in Hechingen:

 

Zu dieser Zeit war mir nicht so richtig bewusst, welchen Unterschied es zwischen EWTO und WTAA gab, mir war immer wichtig, meinem Sihing zu folgen, denn zu ihm hatte ich großes Vertrauen. Damals wurden alle EWTO Urkunden umgeschrieben.

 

Im Jahr 2005 war ich wieder auf dem 12 Schülergrad, diesmal mit den Techniken, welche mein Sihing aus dem WTAA (Wing Tsun Art Association) mitgebracht und wir haben gerade mit den Sektionen auf ersten Techniker angefangen, da musste ich für mehrere Jahre nach Singapur vom Geschäft aus. Erst 2010 kam ich wieder zurück, die Familie stand im Vordergrund, dann mit drei Jungs auch hier wieder zu wenig Zeit, um mich mit meinem Ziel, den Techniker zu schaffen, richtig auseinander zu setzen.

 

In dieser Zeit bin ich sehr viel gelaufen, aber immer im Hintergrund WTAA und meinen Sihing gehabt, ein nach wie vor unerfüllter Traum, hier mein erlerntes Wissen zu intensivieren und auszubauen.

 

Kapitel 4 – Ankommen und dritter Anlauf 2015

Mein Vater erkrankte unheilbar an Krebs. Ich stellte mir wie Frage, was wirklich wichtig im Leben ist.

Die Zeit war richtig, ein weiteres Mal zu meinem Sihing zu gehen und ihn zu fragen, ob ich Pauschalschüler bei ihm machen könne.

 

Mein Ziel: Erreichen des 1. Technikers.

 

Und nun ging es erst richtig los!

 

Mein Sihing erklärte mir nochmals alle wichtigen Kampf-Prinzipien:

Ist der Weg frei, stoße vor

Stößt du auf Wiederstand, bleib kleben

Ist der Wiederstand zu stark, gib nach

Zieht sich der Gegner zurück, folge

Befreie dich von deiner eigenen Kraft

Befreie dich von der Kraft des Gegners

Nutze die Kraft deines Gegners gegen ihn

Füge deine eigene Kraft hinzu

 

Kapitel 5 - Fazit und Ausblick

Mittlerweile trainiert meine ganze Familie, meine Frau darf sogar Privatstunden bei meinem Sihing nehmen.

 

Warum habe ich WT 1992 angefangen und erst 2019 mein Ziel greifbar nahe gebracht?

 

Ich denke, dass sich die Bedürfnisse aber auch die Persönlichkeit durch bestimmte Ereignisse anpassen kann. Meinem Sihing fällt alles auf, er hat die besondere Gabe, Menschen mit ihren Eigenschaften aber auch mit ihren Stärken und Schwächen genau zu erkennen.

 

So wie auch in meinem Fall.

 

Es ist ein Glücksfall gewesen, damals im Jahr 1992, meinen einzigen Sihing kennenzulernen.

 

Und hier schließt sich auch der zweite Handlungsstrang (den ich zwischen den Zeilen aufbauen habe wollen): die Erkenntnis zu haben, zusätzlich zu den großartigen Techniken, welche ich erlernen habe dürfen einen Menschen, einen Freund kennenzulernen, der meine Persönlichkeit unterstützt und aufbaut.

 

Diese Erfahrung wünsche ich meinen Kindern und meiner Frau.

Und ich bin bis zum heutigen Tag sehr dankbar dafür, meinen Sihing kennengelernt zu haben,

und von ihm trainiert zu werden.

 

WTAA ist die Kampfkunst, die alleine durch Dai-Sifu Ataman zum Leben und Sinn geführt wird.

Gleichzeitig mit der Erkenntnis, bei der man im Ansatz die große Philosophie dahinter

kennenlernen darf und gleichzeitig, diese durch ihn zu erlernen.

 

Der Weg ist das Ziel und ich halte es für schicksalhaft,

diesen Weg zusammen mit meinem Sihing zu begehen…und dies seit über 27 Jahren.

 

Danke, lieber Sihing, in tiefer Ehrfurcht, mit Stolz, Demut und mit großem Respekt, dein ToDai

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